My Kreativasyl

Einfach kreativ!

[Voll Krass] Heute: Der Gebärdenchor „S(w)inging Hands“

Zum Auftakt gibt es heute ein Interview mit 10 spannenden Fragen an den Gebärdenchor „S(w)inging Hands“.

Seit beachtlichen über 15 Jahren (!) gibt es bereits den Gebärdenchor „S(w)inging Hands“. Aber was ist ein Gebärdenchor?
Auf der offiziellen Website des Chor´s lesen wir folgendes dazu:

Wir gebärden populäre Musik, keine geistliche Musik. Dabei übersetzen wir nicht gemäß den Regeln der DGS (Deutsche Gebärdensprache), sondern folgen dem Text der/s Künstler/s, damit wir das gesamte Publikum mit in die stille Welt der gehörlosen Menschen nehmen können, auch die Menschen, die noch nie Gebärden gesehen haben, können so diese Sprache genießen. Man spricht in diesen Fall von „Gebärdenkunst“.

Nach dem wir uns dank des netten Kontakts mit Frau Kraupner, -der Chorleiterin- noch näher mit dem Thema beschäftigt hatten, wurde schnell klar, das dieses Thema in nachhaltiger Form unseren Horizont erweitern würde. Attribute wie emotional, ergreifend und beeindruckend vermögen hier nicht wiederzugeben zu welcher Bandbreite der Gefühle ein Mensch gleichzeitig fähig ist während er solch einer Darbietung beiwohnt.
Um möglichst vielen Interessierten diese Kunstart der Verständigung näher zu bringen, folgt hier nun unser Interview mit Frau Kraupner, der Chorleiterin des Gebärdenchors:

Der Gebärdenchor "S(w)inging  Hands"
Der Gebärdenchor „S(w)inging Hands“

10 Fragen an…

An die Leiterin des Gebärdenchor´s
„Swinging Hands“

Wie bist Du dazu gekommen Gebärden zu unterrichten?

Ich bin einfach zur VHS gedackelt und habe einen Kurs besucht. Leider war der Lehrer gehörlos und konnte nicht gut unterrichten. Am Ende des Kurses waren von 23 Schülern nur 2 übrig. Eine war ich. Die Gebärden habe ich mir irgendwie aufgeschrieben und so konnte ich ihm sagen, dass sein Unterricht grottig war. Er hat dann eine andere Lehrerin gesucht, die meine Freundin wurde.

Wann und warum hattest Du Die Idee mit dem Gebärdenchor?

Anfang 2014 als meine Freundin mich ganz entzückt ansah, als ich ein Lied mal eben übersetzte. Sie sagte, meine Gebärden seien so voll Harmonie.. Dann habe ich im damals existierenden Verein nachgefragt und einen Volkshochschulkurs daraus gemacht, wegen Versicherung und Raum. Im Februar 2014 erster Unterricht, im Juni erster Auftritt.

Wenn Du eine Sache auf der Welt verändern dürftest: Was wäre das?

Die Menschen sensibler, freundlicher, aufgeschlossener und toleranter machen.

Für welche drei Dinge in Deinem Leben bist Du am dankbarsten?

Für meinen klaren Menschenverstand, meine wunderbare Kindheit mit den Werten, die meine Eltern mir gaben, meinen Humor und meine wunderbaren Freunde an meiner Seite.

Was macht Dir an Deinem Job als Chorleiterin am meisten Spaß?

Die zauberhaften Begegnungen mit unseren Gästen/Publikum und der Spaß, den wir beim Lernen der Lieder haben. Es gibt immer viel zu Lachen.

Welches Ziel würdest Du gern mit dem Gebärdenchor erreichen?

Ein wenig mehr Anerkennung für unsere Arbeit und auf jeden Fall 25 Jahre mit den Ladies zusammen feiern dürfen.

Was ärgert Dich am meisten im Alltag zwischen hörenden und nicht Hörenden?

Die durch Unkenntnis der Hörenden verursachte Rücksichtslosigkeit gegenüber gehörlosen Menschen. Es muss niemand Gebärdensprache können, jedoch sollte der Umgang mit hörbeeinträchtigten oder gehörlosen Menschen in Regelschulen gelehrt werden.

Gibt es nur eine Gebärdensprache und ist sie weltweit gleich oder gibt es auch unterschiedliche Gebärdensprachen oder vielleicht auch Dialekte?

Hier in Deutschland gibt es so viele Dialekte wie in der gesprochenen Sprache. DGS (Deutsche Gebärdensprache) ist nahezu europäisch, die Gebärden sind fast gleich, nur das Mundbild ist in der Landessprache. Bei Nichtkenntnis der Landessprache entfällt es. Nur Russland und USA haben eine andere Gebärdensprache.

Worauf freust Du Dich gerade am meisten?

Ich freue mich auf das Altwerden und genieße die damit verbundenen Lebensweisheiten, die wunderbare Gelassenheit und das im Leben gesammelte Wissen. Alles kostbare, erkämpfte Schätze!

Wenn Menschen gern die Gebärdensprache erlernen möchten, wo können Sie sich hinwenden?

An die jeweilige Volkshochschule oder schriftlich an Gehörlosenverein, die dann Tipps geben.

Wie könnten andere Leute Deine Arbeit unterstützen?

 In dem sie sich mit dem Thema „Gehörlosigkeit“ in einer stillen Stunde auseinandersetzen und dankbar werden, dass sie z. B. Musik hören dürfen und nicht nur Vibrationen fühlen. Das macht dankbar und demütig.

Vielen Dank, liebe Claudia, für diesen spannenden Einblick!
Ich würde mir wünschen das sich mehr Leute mit diesem Thema auseinandersetzen und mehr Verständnis dafür aufbringen.
Vielleicht hat es auch den einen oder anderen so inspiriert, das jetzt möglicherweise ein völlig neues Betätigungsfeld im Raume steht.
Vielleicht könnt Ihr aber auch schon die Gebärdensprache und habt Interessante Einblicke für uns? Schreibt es gern in die Kommentare!

In diesem Sinne…
https://signdict.org/entry/108-bis-bald/video/4334

PS. Kennt Ihr schon die interessante Dokumentation uber den Chor?
HIer ist er zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=okherIzEfjg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.